Dienstag, 22. Juni 2010

Videoüberwachung und der gesellschaftliche Wandel?

Die Videoüberwachung ist ein Teil des gesellschaftlichen Wandels.
Somit kann die Videoüberwachung den gesellschaftlichen Wandel weder hemmen noch beschleunigen, sondern nur das zum Ausdruck bringen und zeigen, was sich wandelt und was ist.


Zu den Zeiten von Barnie Geröllheimer und Fred Feuerstein war so manches noch klar geregelt. Was in der Höhle von Fred Feuerstein liegt , ist sein Besitz. Wenn nun ein Fremder aus dem Neandertal kommt, um Fred aus der Höhle etwas zu klauen, dann haute ihm Fred Feuerstein mit der Keule dermaßen auf den Kopf, dass bei dem Eindringling eher die letzte Stunde kam, als dass dieser mit dem Diebesgut glücklich werden konnte......


Weil in der Steinzeit jeder wusste, dass dies in der gesamten Kulturgemeinschaft Neandertal so gehandhabt wird, konnte Fred Feuerstein sein Höhle verlassen, ohne den Eingang mit einer Tür verriegeln, ohne dieselbe abzuschließen, oder eine Alarmanlage zu installieren oder gar von Videokameras bewachen zu lassen.


Wie uns der Fall Emmely  nun aber lehrt, ist ein Diebstahl aufgrund des gesellschaftlichen Wandels aber nur dann ein Diebstahl mit Konsequenzen, wenn Verhältnismäßigkeit, Dauer der Betriebszugehörigkeit und die Frage "Bagatelle oder nicht Bagatelle" geklärt ist. Außerdem müssen auch die Möglichkeiten anderer milderer Restriktionen, wie zum Beispiel  Abmahnungen auch ausreichend gegeneinander abgewogen werden.


So darf Tengelmann anders als Fred Feuerstein, dem Dieb keines auf die Rübe hauen, geschweige denn ihn andersweitig bestrafen, solange dieser nur kleine Stücke, sogenannte Bagatellen aus dem Betrieb/Höhle nimmt. Ein Bärenfell im Ganzen wäre ein vermutlich eindeutig ein Diebstahl, aber die Mitnahme des Felles in kleinen Stücken wäre dann jeweils ein Bagatellfall.
Damit Fred Feuerstein oder Tengelmann die Bestände der Höhle/Kasse nun kontrollieren kann und gegf. einen Nachweis für das Verschwinden von Fell-Stücken bzw. Geld-Stücken hat, wird jetzt zwingend eine Videokamera benötigt.

Die Überwachungskamera wird somit zwangsweise zu einem Bestandteil des gesellschaftlichen Wandels. So wie die unzähligen Blitzlichtanlagen und Radarkontrollen entlang unserer Bundes- und Kreisstraßen auch nur Zeitzeugen des gesellschaftlichen Wandels sind, weil sich die meisten Autofahrer nicht freiwillig an die vorgeschriebenen Geschwindigkeiten halten.

Wenn unserer Gesellschaft das Wissens vom "Mein" und "Dein" nicht irgendwie abhanden gekommen wäre, wenn das Unrechtbewusstsein nicht ein anderes geworden wäre, wenn der Begriff Diebstahl noch eindeutig wäre, wenn Stehlen oder andere Straftaten noch spürbare Konsequenzen hätten, z.B. langfristige Verbannung nach Elba, dann könnten wir auf viele Zeitzeugen dieses gesellschaftlichen Wandels, wie auf die Video-Überwachungskamers verzichten.

Aber zu glauben, wenn es nirgendwo mehr eine Überwachungskamera gibt, hätte sich die Gesellschaft wieder gewandelt, könnte sich auch als Irrtum herausstellen. Vielleicht hat dann der gesellschaftliche Wandel nur andere, effektivere, technische Möglichkeiten der Kontrolle geboren.

Wir können nur, wie Michael Jackson es bereits in "Heal The World" besungen hat,  auf eine bessere Welt hoffen. Auch dies ist nur eine Frage des gesellschaftlichen Wandels und der Zeit.